 Birgit Jüngst
 Karl Platt
 Bike-Redakteur und Marathonmann
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 Platt und Listmann
 Christoph Listmann
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 Impressionen
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Marathon leicht gemacht - Material und Ausrüstung Bike2b-Redaktion am 29.03.2005 - 13:30 Uhr
Effektives Training allein reicht nicht aus, um einen
Mountainbike-Marathon erfolgreich zu bestehen. Auch Material und
Ausrüstung müssen stimmen, damit die nötige Fahrsicherheit gegeben ist
und der Fahrer sich während des Rennens voll und ganz auf seinen Körper
konzentrieren kann. Doch welches Material eignet sich für die
marathon-typischen Anforderungen?
Das ideale Bike
Schnell, leicht und zuverlässig müssen Marathon-Bikes sein.
Niedriges Gewicht ist das A und O. Ein voll ausgerüstetes Marathon-Bike
sollte ein Gewicht zwischen elf und 13 Kilo nicht überschreiten. Ein
Bike, das jedem Fahrertyp gerecht wird, gibt es natürlich nicht. Man
sollte jedoch zunächst die grundsätzliche Entscheidung zwischen Fully oder Hardtail
treffen. Der Vorteil, der für die Anschaffung eines Hardtails mit
Federgabel – die sollte unbedingt angeschafft werden – spricht, liegt
darin, dass es preislich wesentlich günstiger ist als ein
vollgefedertes Mountainbike. Hier gibt es bereits für tausend Euro
Bikes mit solider Ausrüstung, an denen für einen Marathon-Einsatz nur
noch wenig nachgerüstet werden muss. Ein Hardtail-Mountainbike ist
zudem wesentlich leichter als das vollgefederte Pendant. Und wer möchte
sich im Rennen schon mit unnötigem Gewicht über Anstiege plagen? Für
alle, die aber vor allem Wert auf Komfort und Sicherheit legen, ist das
wegen seiner Dämpfung rückenschonendere Fully eine gute Wahl.
Mountainbike-Profi Karl Platt zu dem dogmatischen Thema: "Wenn ich ein
reiner Hobbyfahrer wäre, würde ich nur noch Fully fahren, da man mit
dem Rad immer mehr Spaß und Sicherheit hat." Beim Fully – egal, ob Ein-
oder Viergelenktechnik - sollte man neben höherem Gewicht auch
bedenken, dass die zusätzliche Technik auch einer besonderen Wartung
bedarf und obendrein eine zusätzliche Defektquelle am Bike darstellt.
Passende Größe und Sitzposition
Das Mountainbike sollte auf jeden Fall optimal an die körperlichen
Eigenschaften seines Fahrers angepasst sein. Am wichtigsten dabei ist,
dass die Rahmengröße stimmt. Eine einfache Methode, um festzustellen,
ob ein Mountainbike "passt": wenn man sich direkt vor dem Sattel über
das Oberrohr stellt, muss es möglich sein, das Vorderrad des Bikes rund
20 Zentimeter vom Boden hochzuheben, ohne dabei "Platzangst" zu
bekommen. Die Kontaktpunkte Sattel, Lenkergriffe und Pedale sollten -
gerade bei langen Distanzen - so eingestellt sein, dass der Fahrer eine
angenehme Sitzposition
findet“, meint Christoph Listmann und erklärt, "über die Verschiebung
des Sattels auf der Stütze kann man viel variieren." Um Rückenschmerzen
zu vermeiden, ist also nicht nur der passende Sattel, sondern vor allem
dessen Position gefragt.
Die richtigen Laufräder
Bei den Laufrädern gilt die Regel: je leichter das Laufrad, desto
geringer ist die Energie, die der Fahrer aufbringen muss, um das Rad zu
beschleunigen. Karl Platt meint, dass sich bei den Laufrädern Gewicht
am sinnvollsten sparen lässt, weil jedes zusätzliche Gramm mehr zu
bewegende Masse bedeutet: "Hier würde ich auf jeden Fall empfehlen, ein
paar Euro mehr auszugeben, weil man den Gewichtsunterschied auf jeden
Fall spürt, wenn die Laufräder 300 bis 600 Gramm leichter sind."
Herkömmliche Laufräder eignen sich hierfür besser als System-Laufräder.
Die Wartung herkömmlicher Laufräder ist wesentlich leichter, weil man
für sie in jedem Bikeladen Ersatzteile findet. Bei System-Laufrädern
wird's da schon schwieriger. Damit die Laufräder auch tatsächlich rund
laufen, ist es wichtig, die Spannung der Speichen regelmäßig zu
kontrollieren. Ein sorgfältig zentriertes Rad mit gleichmäßiger
Speichenspannung hat eine höhere Lebenserwartung und läuft einfach
besser.
Bereifung des Bikes für die Strecke
In der Wahl des richtigen Reifens liegt ein weiteres
Kraftsparpotenzial. Da die Masse des Reifens ganz außen am Laufrad
liegt, hat sie die größte Auswirkung auf die Energie, die zum
Beschleunigen des Rads nötig ist. "Es macht Sinn, Gewichtsunterschiede
der Reifen zu checken, das spürt man deutlich", meint auch
Marathon-Spezialistin Birgit Jüngst. Beim Reifen-Tuning deshalb am
besten leichte Reifen aufziehen: die rollen leichter ab und kosten auch
nicht mehr als schwere. Damit beim Biken die Sicherheit nicht zu kurz
kommt, ist es wichtig, sich genau zu überlegen, welches Profil die
Reifen haben sollen; Je nach Einsatzzweck eignen sich Stollenreifen
oder Semislicks. Führt die Strecke überwiegend auf Forstwegen entlang,
empfiehlt es sich wegen des geringeren Rollwiderstandes Semislicks
einzusetzen. Die Fahrt mit ihnen gerät aber zur gefährlichen
Rutschpartie, wenn es zu regnen anfängt. Birgit Jüngst weist darauf
hin, dass "man bei der Profilwahl des richtigen Marathonreifens häufig
Kompromisse eingehen muss; ein leichter, leicht rollender
"Allround-Reifen" ist oft am besten." Bei beiden Varianten muss neben
dem Profil auch die Gummimischung beachtet werden. Sie bestimmt die
Rolleigenschaften des Reifens und nicht etwa - wie von vielen
angenommen - die Breite der Reifen. "Eine weiche Gummimischung bringt
Vorteile beim Grip, allerdings ist die Haltbarkeit schlechter", so
Jüngst.
Mit oder ohne Schlauch?
Bei Tubeless-Reifen bildet die Felge zusammen mit dem Reifen die
Luftkammer. Schlauchwechseln ist bei ihnen nicht mehr erforderlich. Mit
den Schlauchlos-Systemen fährt man weitgehend pannenfrei. "Bei Tubeless
haben Durchschläge, auch "Snake Bites", wenig Chancen. Ihre Nachteile
liegen aber im höheren Gewicht im Vergleich zum herkömmlichen System.
Haben sie erst einmal einen Defekt lassen sie sich obendrein schwerer
reparieren als Schlauch und Reifen", erklärt Christoph Listmann. Allen
Bikern, die lieber nach der altbewährten Variante mit Schlauch fähren,
rät Listmann, unbedingt ein Felgenband in die Felge zu legen. "Das
schützt vor aufgeriebenen Schläuchen." Was die Schläuche betrifft,
"bitte nicht die superleichten Schläuche benutzen und lieber auf Nummer
sicher gehen, als einen Platten zu riskieren", rät Karl Platt. Die
Profis fahren mit Latexschläuchen und schwören darauf, sie
talkumbestäubt in die Reifen zu legen.
Dresscode der Marathonisti
Beim mehrstündigen Marathon hat der Körper mit zahlreichen
Temperaturschwankungen zu kämpfen. Oft ist der Start in den eher
kühleren Morgenstunden, bevor es dann mittags richtig warm wird. Bei
Anstiegen kommt man leicht ins Schwitzen und in Downhill-Passagen bläst
einem der Wind um die Ohren. Um alllen Situationen richtig zu begegnen,
ist das passende Outfit
gefragt. Obligatorisch ist zunächst die Bikeshorts. Deren Polster
erfüllt seinen Zweck nur, wenn man keine Unterhose anzieht. Für den
Oberkörper ist eine Zwiebelschicht angesagt: einem Funktionsunterhemd
folgt das Trikot und für Abfahrten sollte noch eine Windstopperweste.
"Arm- und Beinlinge sind eine gute Lösung", weiß Birgit Jüngst, "die
kann man später leicht ausziehen und sie sind schnell im Trikot
verschwunden." An die Hände gehören dünne Bike-Handschuhe und an die
Füße für's Rennen bereits eingefahrene Bike-Schuhe. Ein gut sitzender
Helm muss eigentlich nicht erwähnt werden und ist bei Rennen ohnehin
vorgeschrieben. Eine hellgetönte Brille schützt die Augen nicht nur vor
UV-Strahlen, sondern auch gegen den Fahrtwind.
Zubehör
Auch wenn am Bike geringes Gewicht alles ist: bestimmtes Zubehör
ist unabdingbar. Ein Sattelschnellspanner, ein stabiler Halter für die
Trinkflasche und Lenkerhörnchen, um die Stützposition zu variieren,
sollten dran sein. Ganz wichtig - sowohl für's Training als auch im
Rennen - ist die sinnvoll bestückte Satteltasche. Christoph Listmann
bestückt seine Satteltasche, die schnell ein halbes Kilo wiegen kann,
mit Reifenheber, Ersatzschlauch, Flicken, Reifenheber, Luftpumpe,
Multitool mit Kettennieter, einem Nietstift oder Not-Kettenglied,
Ersatz-Schuhplatten oder zumindest Schrauben dafür, Ersatzschaltauge,
Kabelbinder, etwas Klebeband und einem Stück Schlauch, um Schnitte im
Mantel flicken zu können. Auf die Unabdingbarkeit einer Pulsmessuhr -
eventuell mit Höhenmesser – wurde bereits ausführlich im Trainingsteil
eingegangen.
Der grundlegende Überblick
Optimales Material und die passende Ausrüstung für einen
Mountainbike-Marathon werden vielfach dogmatisch diskutiert. In vielen
Details lassen sich keine allgemeinen Ratschläge geben. Die
Bike-Technik entwickelt sich ständig weiter. Die genaue Abstimmung
aller Komponenten bedarf einiger Erfahrung und setzt vielfach ein
gehöriges Maß an technischem Verständnis voraus. Fragen und
Ausprobieren bringen den Ratsuchenden meist weiter. Im nächsten Teil
des Bike2b Marathon-Spezials thematisieren wir den Einfluss der
richtigen Ernährung auf die körperliche Leistungsfähigkeit. Mit dem
Fachwissen von Ernährungs-Experten gehen wir der Frage auf die Spur,
wie man mit der richtigen Ernährung noch mehr Energie aus dem
trainierten Körper holen kann.
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